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„Die Wildnis, die Natur haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin.“

Bruce Lawson arbeitet seit 1992 als Field Guide / Wildnishüter und blickt auf über 18.500 Stunden protokollierte Wildniserfahrung zurück. Er zählt zu den beeindruckendsten Menschen, die ich in meinem Leben getroffen haben. Hier mein Interview mit ihm.

MC: Was hast du während deiner Ausbildung als Field Guide gelernt, was du Menschen vermitteln möchtest?

BL: Es fing schon weit vor meiner Ausbildung an: Mein Vater ist Ethnologe und hat viel in den Wäldern gearbeitet. Also bin ich als Kind oft mit ihm mitgegangen und ich habe es geliebt. Nach meiner Zeit beim Militär war es für mich eine ganz natürliche Sache, Guide zu werden. Und heute arbeite ich immer noch als Guide. Guiding ist für mich etwas sehr Persönliches. Die Wildnis, die Natur haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Die Wildnis, die Natur haben mich zu dem gemacht,
der ich heute bin.

Wenn ich mit Menschen in die Natur gehe, möchte ich ihnen genau dies vermitteln, egal wer es ist, egal ob sie Minuten, Stunden oder Tage mit mir verbringen. Ich empfinde es als meine Verantwortung, Menschen ein Gefühl für die Wildnis zu vermitteln und sie als Naturschützer davongehen zu lassen.

MC: Kann die Wildnis Menschen verändern?

BL: Ja, es gibt viele Beispiele. Eine Amerikanerin nahm an einem unserer Schnupperkurse teil. Ein Jahr später hat sie mich kontaktiert und gefragt: „Bruce, kann ich mit Dir in den Busch gehen?“ Sie wusste nichts über Ausrüstung und nur sehr wenig über den Busch. Aber durch den Schnupperkurs wurde bei ihr ein Schalter umgelegt und sie war nicht mehr zu halten.

Dieses Jahr hat sie auch gebucht und bringt wieder Freunde mit. Einige aus ihrem Kreis gründeten in Deutschland und USA eigene Initiativen, mit denen der Naturschutz vor Ort gefördert wird. Für mich ist das das Beste, was man mir zurückgeben kann.

MC: Was macht einen guten Field Guide aus?

BL: Drei Eigenschaften: Umfangreiches Wissen über die Natur, weitreichende Menschenkenntnis und die Fähigkeit, tiefe Beziehungen aufbauen zu können – zu Mensch und Tier. Wenn ein Field Guide Leidenschaft hat, Wissen, Verständnis und Liebe für die Umgebung, in der er arbeitet, dann überträgt sich das automatisch auf seine Klienten. Wenn man diese Eigenschaften nicht hat, wird man auch kein guter Field Guide. Letztlich ist Guiding kein Job, sondern eine Lebensweise.

MC: Was ist die größte Bedrohung für die Wildnis in Südafrika?

BL: Das Bevölkerungswachstum. 60% der südafrikanischen Bevölkerung lebt am Rande des Krüger Nationalparks. Und das ist auch die ärmste Bevölkerungsgruppe. Diese Menschen leben von der Hand in den Mund und es werden mehr. Die Infrastruktur wächst aber nicht mit. Es gibt spürbar mehr Druck auf die Umwelt, die Folgen sind Wilderei und illegale Viehfütterungen. Das lässt die Parks inkl. Fauna und Flora immer kleiner werden.

MC: Was kann man dagegen tun?

BL: Meine Vorstellung ist es, Menschen dazu zu motivieren, sehr bewusst mit der Natur umzugehen. Es sind die kleinen Dinge, die die Umwelt verändern können und verändern werden. Kleine Dinge kann jeder Mensch in jeder Situation jeden Tag verrichten. Plastik nicht achtlos wegwerfen, sparsam mit Wasser umgehen, es gibt unzählige Möglichkeiten. Es gibt mehr Menschen auf den unteren Ebenen als ‚da oben‘. Wir müssen die Schlacht von unten nach oben führen und nicht andersherum.

MC: Hast Du in der Wildnis besondere Begegnungen erlebt?

BL: Oh ja, viele. Die bezauberndsten Momente in der Wildnis waren Begegnungen mit großen Tieren, am meisten mit Elefanten. Wenn da ein sechs Tonnen schweres Tier zwei Meter von dir entfernt ist, spürst Du eine Verbindung. Du sitzt da. Du hast dieses Tier vor dir und es ist fast so, als hättet ihr eine Konversation. Niemand sagt etwas. Das Tier ist glücklich und du bist glücklich, auch wenn dein Herz wie verrückt schlägt! Du bist absolut und komplett in Frieden, mit dir selbst, mit deinem Umfeld. Nichts anderes ist wichtig außer der Verbindung zwischen euch beiden… Dann atmet das Tier laut aus und geht weg. See you later, bis später. Ich bin sicher, dass sich das jetzt etwas seltsam anhört, aber ich glaube, das Tier fühlt genau wie wir, es kann diese Verbindung auch spüren. Mit Elefanten ist mir das schon ein paar Mal passiert. Das sind lebensverändernde Momente. Und für diese Momente lebe ich.

Das sind lebensverändernde Momente.
Und für diese Momente lebe ich.


MC: Was ist die gefährlichste Begegnung, die du jemals in der Wildnis hattest?

BL: Oh, da gab’s einige. Vor allem seitdem ich Guides ausbilde, also in den letzten 15 Jahren. Da gab es viele Begegnungen, vor allem wenn du es mit gefährlichem Großwild, z.B. Büffeln oder Nilpferden zu tun hast. Wir wollen den angehenden Guides ja das Verhalten der Tiere zeigen. Das ist wie beim Rennfahren: Du weißt, dass etwas passieren kann wenn du nicht vorsichtig bist. Aber ja, es war schon einige Male knapp, besonders mit Elefanten. 2008 stieß mich ein Elefant um, und mein Backup Guide musste das Tier erschießen, ansonsten hätte es mich getötet. Das war wirklich brenzlig.

Und das andere Extrem war: Auch ich musste einmal ein Tier erschießen. Aber weißt du, ich habe über 18.500 Stunden Erfahrung in der Wildnis und ich bin froh, dass nur zwei Tiere sterben mussten. Ich wäre viel glücklicher, wenn keines der Tiere hätte erschossen werden müssen. Aber wenn es entweder um dein Leben, das Leben deines Klienten oder das des Tieres geht, dann hast Du nicht wirklich eine Wahl. Wenn du nicht bereit bist zu schießen, darfst du kein Guide werden. Dennoch: Ich denke, es ist gefährlicher, in einem Erste-Welt-Land die Straße zu überqueren, als sich hier im Busch aufzuhalten.

Ich denke, es ist gefährlicher, in einem Erste-Welt-Land die Straße zu überqueren, als sich hier im Busch aufzuhalten.


MC: Hast du ein Motto oder ein Zitat, das deine persönlichen Werte wiederspiegelt?

BL: Es gibt da ein Zitat, das mich immer wieder einholt. Es stammt nicht von mir, aber es ist etwas, das ich anstrebe und wozu ich auch andere Menschen, vor allem Guides, motivieren möchte:

Yesterday is history, tomorrow is a mystery. Now is a gift, that’s why it’s called present.


Gestern ist Geschichte, morgen ist ein Geheimnis. Das Jetzt ist ein Geschenk, darum heißt es Präsent.

Ich wünsche mir, dass Menschen so leben. Du weißt, dass du morgen tot sein könntest. Deshalb solltest du dein Leben lieber jetzt in vollen Zügen leben. Bereite dich auf morgen vor, aber lebe im Jetzt.

Südafrika: Die besten Bilder meiner Reportage über die Ranger-Ausbildung im Krüger Nationalpark

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Vietnam: Expedition in die größte Höhle der Welt

Die Adrenalinausschüttung beginnt schon ein Jahr bevor ich in die Höhle steige: Es ist 1 Uhr nachts und ich sitze wegen der Zeitverschiebung vor dem Rechner und darauf warte, dass die heiß begehrten Expeditionsslots in die größte Höhle der Welt frei geschaltet werden.

Pünktlich geht es los, was ich daran merke, dass die Seite aufgrund der enormen Zugriffe nicht mehr zugreifbar ist. Ich bleibe geduldig und drücke in 30-Sekunden-Abständen die Reloadtaste. Gegen 5:30 Uhr wird es draußen langsam hell. Auf einmal füllt sich der Bildschirm mit Buchstaben: Die Buchungsmaske! Ruckzuck ist alles eingetragen und abgeschickt.

Nach 3 Tagen erhalte ich die Bestätigung: Ich bin dabei! Als einer von 10 Expeditionsteilnehmern, die – wie ich dann in Vietnam vor Ort erfahre – aus einer Bewerberzahl von einigen Tausend ausgewählt wurden. Keine Ahnung, welche Kriterien die Expeditionsgesellschaft angesetzt hat – ich gehe davon aus, dass ich einfach nur Glück hatte.

Meine 12seitige Reportage über die Expedition ist nun in der aktuellen Ausgabe der TERRA abgedruckt. Die Besucher meiner Website können eine Abkürzung nehmen und sich den Beitrag als PDF herunterladen.

Zum Herunterladen die Titelseite anklicken.

Doppelseiten-Veröffentlichung im amerikanischen Gourmet-Magazin THE SAVEUR

Ein Bild von Fischern auf dem Inle-See wurde im amerikanischen Feinschmecker-Magazin SAVEUR-Magazins veröffentlicht. Ein Klick auf das Bild öffnet die PDF-Datei.

Im Winter oben ohne auf den Feldberg – auch die Badische Zeitung berichtet

Auf dem Weg zum Feldberg.

Januar 2018, Schwarzwald, Süddeutschland: Gemeinsam mit meinen Ice-Buddies Luit, Jimmy, Dylan (Holland), Michael (Deutschland), Olivier (Belgien) und John (Australien) waten wir durch knietiefen Schnee, springen in eiskalte Seen und stiefeln zum Abschluss auf den schneebedeckten Feldberg. Alles oben ohne wohlgemerkt. Nein, das ist keine Schau-mal-was-wir-für-harte-Kerle-sind-Nummer und auch kein Ich-kann-aber-länger-als-du-im-See-bleiben-Wettbewerb. Also: Worum geht’s?

Dazu erst mal die Vorgeschichte: Sechs von uns lernten uns vor etwas über einem Jahr in Polen auf einem Extremkälteseminar von ‚Ice-Man‘ Wim Hof kennen. Wim hält über zwanzig Guinnessbuch-Rekorde, überwiegend in der Kategorie Kälte. Under anderem für das längste Eisbad. Eine Stunde und 53 Minuten hat er es einst im Eiswürfelbad ausgehalten.

Von Wim und seinen Trainern lernen wir Eisbaden, Barfuß-und-oben-ohne-und-schweigend-durch-den-Wald bei 6 Grad Außentemperatur. Für über 2 Stunden. Wie hält man so etwas aus? Schlüssel sind die sauerstoffreiche Atmung und die Nicht-Wertung von Kältezeichen. Ich will in diesem Post aber nicht zu sehr in die Tiefe gehen – das wird noch Gegenstand eines separaten Artikels.

Fazit des Polen-Seminars: Durch Kälteexposition und Atmung gelangt der menschliche Geist und Körper in ungeahnte Tiefen und erweckt enorme Potentiale und Widerstandskräfte. Zum Beispiel gegen bestehende Krankheiten (viele Teilnehmer in Polen litten unter chronischen und/oder langfristigen Krankheiten), was mittlerweile auch wissenschaftlich bewiesen ist (Studien siehe hier).

Zurück zum Schwarzwald: Michael und ich begannen Mitte 2017 ein paar Polen-Leute in einer neuen Challenge zusammenzutrommeln: ‚Hey, wie wär’s, wenn wir uns irgendwo in Europa für ein paar Tage treffen. Es sollte dort Schnee liegen und ein Berg in der Nähe, den wir erklimmen können. So wie in Polen damals.‘

Fast forward in den Januar 2018: In Äule, einem Schwarzwald-Ort ‚where the streets have no name‘, liegen in einer über 300 Jahre alten Bauernkate sieben Männer mit geschlossenen Augen auf dem Rücken und atmen schwer. John, zertifizierter Wim Hof-Trainer, spornt an: „Los Jungs, jetzt einen Gang hochschalten!“.

Die intensive und sauerstoffreiche Atmung alkalisiert nachweislich den Körper, macht ihn also resistenter gegeüber Infektionen. Zudem fördert er die allgemeine Wachheit und Klarheit – und in der Gruppe macht das alles noch viel mehr Spaß. Jimmy, Dylans Cousin, ist völliger Neuling – und er macht tapfer und ohne ein einziges Wort des Murrens alles mit: Atmen, Seebäder, Oben-ohne-Schneewanderungen. Für mich ein kleiner, aber feiner Beweis dafür, dass sich jeder diese neue wunderbare Welt der Freiheit erschließen kann – ohne Vorkenntnisse oder Training. Mut und Vertrauen reichen.

Die Natur hat über Millionen von Jahren ein faszinierendes Meisterwerk geschaffen: Unseren Körper. Ich sehe ihn wie ein Geschenk: Die einen nehmen das Geschenk behutsam in die Hand, entfernen vorsichtig Papier und Bänder, trauen sich aber nicht, alles aus dem Karton auszupacken – denn die ersten Gaben haben ihnen nicht besondern gefallen, sie sind unangenehm – und nun haben sie schlicht Angst oder sind zu bequem, den Rest herauszuholen. Andere widerum wollen wissen, was und wie viel ‚drin‘ ist. Sie sind von einer natürlichen genuinen Sehnsucht und Lust angetrieben, sich dem Ungewissen auszusetzen und die Angst die Rolle eines weisen Beirats zuzuordnen, sich aber nicht von ihr zermalmen zu lassen. Zu wem zählen sie sich?.


Aus der Badischen Zeitung vom 12. Januar 2018 – von Kathrin Blum

„Manche fragen, ob wir verrückt sind“

Langeweile? Verrücktheit? Wichtigtuerei? Nichts von alledem steckt hinter dem Kältetraining auf dem Feldberg, wie zwei Teilnehmer im Interview verraten. Aber Spaß gehört auf jeden Fall dazu.

Bei drei Grad und bedecktem Himmel pfeift einer Reisegruppe eisiger Wind um die Ohren. Im Unterschied zu gewöhnlichen Schwarzwaldtouristen tragen die sieben Männer weder Skier noch Schneeschuhe. Sie verzichten auch auf Thermounterwäsche, Funktionsjacken, ja selbst Pullover. Unter dem Motto „Feldberg oben ohne“ verbringen sie ein paar Stunden auf dem Höchsten. Kathrin Blum, die wahrscheinlich verfrorenste Redakteurin der BZ, hat sich über die Truppe gewundert – und zwei von ihnen – Malte Clavin und Michael Szep – interviewt.

Zum Downloaden des PDFs Bild anklicken (1 Seite, 1,27 MB)

BZ: Sie müssen zugeben: Es ist ein bisschen verrückt, im Winter halbnackt auf dem Feldberg herumzulaufen.

Clavin: Wir können barfuß durch den Schnee laufen und in Eiswasser baden: Unser Körper – das Meisterstück der Evolution – macht es möglich. Wir brauchen keine Angst davor zu haben, es passiert nichts. Und wir sind sogar gesünder durch unsere Aktionen. Wir fühlen uns freier und stärker.

Kennt keine Berührungsängste: Malte Clavin.

Kennt keine Berührungsängste: Malte Clavin.

BZ: Und männlicher? Soll heißen: Machen Sie das, um anderen – vor allem Frauen – zu imponieren?

Szep: Nein. Aber sicher ist Abenteuerlust und Nervenkitzel im Spiel. Wichtiger noch: Einige von uns lindern dadurch Krankheiten und Leiden: Diabetes, chronische Müdigkeit, Hautkrankheiten, Atemwegserkrankungen, Autoimmun-Erkrankungen, Arthritis – und das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen.

BZ: Ihre Reisegruppe besteht aus drei Niederländern, zwei Deutschen, einem Belgier und sogar einem Australier. Wie und wo haben Sie sich gefunden?

Szep: Das war im Dezember 2016 in Polen in der Nähe des Berges Schneekoppe bei einem internationalen Extremkälteseminar. Das war ein großer Spaß.

BZ: Was hat Sie dorthin geführt?

Clavin: Kindliche Neugier. Die Lust, Grenzen zu sprengen, indem ich meine Ängste herausfordere. Oft sind Ängste ja nur Kopfkino: Wir projizieren Bilder in unserer Fantasie, die nichts mit der Wahrheit und dem echten Leben zu tun haben.

BZ: Wie bereiten Sie sich auf den Kälteschock vor? Heißt: Was werfen Sie ein, bevor es raus geht?

Clavin: Nichts! Sauerstoff ist unsere einzige Droge. So direkt vorbereiten müssen wir uns nicht. Aber man kann das Kälteempfinden natürlich trainieren und sich abhärten. Wer beispielsweise täglich ein paar Minuten unter der kalten Dusche steht, regt den Stoffwechsel und die Blutzirkulation an. Auch Eisbäder tun gut. Wenn man danach aus dem Wasser kommt, ist man hellwach und topfit. Das schafft kein Kaffee der Welt.

Szep: Man gewöhnt sich überraschend schnell an Kälte. Im Seminar in Polen damals ist jeder von unserer Gruppe, und es waren mehr als 20 Teilnehmer, am Ende des ersten Tages ins Eisbad gehüpft. Und das insgesamt vier Mal. Dann war uns klar: Das kann jeder.

BZ: Wie lange sind Sie in der Regel bei einem Kältetraining draußen?

Clavin: Das kommt auf die Temperatur und den Wind an. In kalten Seen halten wir es bis zu zehn Minuten aus. Bei Schneefall und kaltem Wind bleiben wir auch nicht ewig draußen. Aber ein bis zwei Stunden sind es in der Regel schon. Der Trip auf den Feldberg diese Woche hat zweieinhalb Stunden gedauert.

BZ: Diese Woche ist es verhältnismäßig warm auf dem Feldberg. Hätten Sie Ihre Aktion auch bei zehn, zwölf Grad weniger durchgezogen?

Clavin: Wir wären sicher auch gestartet. Wie lange jeder von uns oben ohne bleibt, vermag ich nicht zu sagen. Es steht jedem jederzeit frei, sich warme Klamotten anzuziehen. Die erste Regel lautet: Kein Wettbewerb! No Ego, we go. Niemand wird unter Druck gesetzt.

BZ: Wie reagieren die Leute auf leichtbekleidete Schneewanderer?

Szep: Die Reaktionen sind sehr unterschiedlich, aber ganz überwiegend positiv. Manche sagen: Ihr seid ja lustig. Andere pfeifen anerkennend. Wieder andere denken, dass wir uns verlaufen haben, und wollen uns helfen. Manche fragen, ob wir frieren, andere, ob wir verrückt sind. Wir haben auf jeden Fall schon viele Menschen zum Schmunzeln gebracht.

Clavin: Bei unserer Aktion auf dem Feldberg hat eine junge Frau sogar ein Foto mit uns gemacht.

BZ: Sie sorgen für Aufsehen, keine Frage. Aber trotzdem klingt es nicht gerade so, als seien Ihre Aktionen gemütlich. Wie hoch ist die Zimmertemperatur bei Ihnen zu Hause?

Clavin: Bei einigen von uns ist sie wahrscheinlich tatsächlich geringer als in einem Durchschnittshaushalt. Dylan hat bei sich gerade mal 16 Grad im Haus.

Szep: Man muss sich ja nicht selbst kasteien. Bei uns liegt die Zimmertemperatur bei etwa 19 Grad, wenn wir Besuch erwarten bei 22 Grad.

BZ: Wer ist wir? Das macht doch keine Frau mit.

Szep: Doch natürlich, wir haben Ehefrauen zu Hause.

BZ: Was sagen die zu Ihren Aktionen?

Clavin: So lange wir uns austoben und sie nicht kalt mitduschen oder -baden müssen, ist alles okay.

BZ: Pflegen Ihre Frauen Sie auch gesund? Vermutlich führt ihr Training nicht zu Muskelkater, dafür aber zu Männerschnupfen.

Szep: Sie haben Recht – auch wir sind nicht unverwundbar. Aber wir stärken unser Immunsystem. Eine Erkältung bleibt meist dann zurück, wenn man zuvor schon angeschlagen war oder es einer in der Gruppe ist und die anderen ansteckt.

Clavin: Unser Immunsystem hat definitiv höhere Barrieren durch das Ganze. Es ist nachgewiesen, dass man durch die reine, tiefe Atmung, wie wir sie praktizieren, den Säure-Basen-Haushalt reguliert und dadurch Bakterien ihren Nährboden entzieht.

„Versuche gerade, diese komische Selfie-Funktion auf meinem Handy zu finden…“

BZ: Dann sind Sie ja gerüstet für die nächste Aktion. Wo soll es hingehen?

Szep: Am liebsten in die Antarktis.

Clavin: Das wäre schön, aber vermutlich werden wir uns erneut in Europa treffen.

BZ: Nicht mehr im Schwarzwald?

Clavin: Leider nein. John, unser Australier, soll ja auch noch etwas anderes sehen. Aber es hat uns hier gut gefallen.

BZ: Was denn am meisten?

Clavin: Spätzle und Sauerbraten

Szep: Das Panorama, die tolle Beschilderung für Touristen. Und das Bier.

Die Reisegruppe

Zur Gruppe, die auf dem Feldberg für Aufsehen sorgte, gehören Malte Clavin, Michael Szep, Olivier Massa, John Halloran, Luit Gazedam, Dylan de Vries und Jimmy Os. Die Männer sind zwischen Mitte 20 und Anfang 50. Wenn sie nicht gerade ihre Bäuche in die frische Luft strecken, arbeiten sie als Fotograf und Unternehmensberater, Immobilienmakler, Grafikdesigner, IT-Berater, Eventmanager, Datenschutzbeauftragter und Bauarbeiter.

Malte Clavin ist 51 Jahre alt und kommt aus Berlin, Michael Szep (37) lebt in Frankfurt.